Keiner will sie, doch höhere Grundsteuern werden bald kommen.

Grundsteuer-Reform: Das ist der aktuelle Stand

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Niedersachsen hat als nächstes Bundesland gerade ein eigenes Gesetz verabschiedet.

Wie die Grundsteuer in den anderen Ländern gehandhabt wird, ob Vermieter diese weiter umlegen können und ab wann ihr Folgen spüren werdet erfahrt ihr hier.

Keiner will sie, doch höhere Grundsteuern werden bald kommen.

Das ist die Normalregelung

Finanzminister Olaf Scholz hat festgelegt, dass die Wertermittlungsgrundlage des Immobilienwertes, auf den die Steuer erhoben wird, der Ertragswert der Immobilie sein soll. Dieser bemisst sich maßgeblich an dem Bodenrichtwert, der Fläche der Immobilie, der Nettokaltmiete und dem Alter des Hauses. Die Länder können von einer Öffnungsklausel Gebrauch machen und eine eigene Regelung finden. 


Ab dann gelten die neuen Grundsteuerregelungen

Die erste neue Wertermittlung soll zum 01.01.2022 stattfinden. Es wird also der Immobilienwert von Ende 2021 zugrundegelegt. Die Bundesländer haben die Pflicht, bis Ende 2024 eine neue Regelung zu implementieren. 


Diese Regelungen wollen die Bundesländer

Hamburg, Niedersachsen und Hessen

Niedersachsen geht, wie Hamburg und Hessen, den Weg der Bewertung nach Fläche, die um eine Lagekomponente erweitert wird. Gute Lagen sollen höher besteuert werden.

Die Modelle der drei Bundesländer unterscheiden sich vor allem in der Methodik, wie die Lagekomponente ermittelt wird. Niedersachsen erhebt die Lagequalität auf Basis der Bodenrichtwerte, Hamburg legt die Mietspiegelmiete an, Hessen nutzt Bodenrichtwertzonen. 

Hamburg führt zudem die zusätzliche “Grundsteuer C” ein, die die Steuerlast für brachliegende Grundstücke und Gebäude erhöht. Hiermit will das Land einen zusätzlichen Anreiz für Eigentümer setzen, neu zu bauen. 

Bayern

Bayern entschied sich für ein reines Flächenmodell, das die Lage nicht mit einbezieht. Dieses Modell wurde als verfassungswidrig eingeschätzt. Das Land wird sich ein angepasstes Modell überlegen müssen. 

Sachsen

Sachsen ermittelt die Steuerhöhe nach Nutzungsart, wobei Wohnen entlastet und Gewerbe belastet wird.

Baden-Württemberg

Das Land ermittelt die Grundsteuer anhand der Grundstücksgröße und dem Bodenrichtwert, wobei Wohnimmobilien entlastet werden sollen und brachliegende Flächen in Wohngebieten stärker besteuert werden sollen. 


Diese Länder übernehmen das Bundesmodell  

Berlin, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und das Saarland übernehmen das Bundesmodell, wobei das Saarland kleinere Veränderungen anwenden möchte. 


Können Vermieter die Grundsteuer umlegen?

Ja, Vermieter können die Grundsteuer als Betriebskosten auf den Mieter umlegen. 

Allerdings schreiben die Grünen in ihrem Wahlprogramm, dass sie die Umlagefähigkeit abschaffen wollen. Je nach Wahlausgang könnte das Thema also nochmal auf den Tisch kommen.  


Darum ist es wichtig

Die Grundsteuer war jahrzehntelang kein großer Kostenfaktor bei älteren Bestandsimmobilien. Mit der Reform dürfte sich die Steuerlast für genau diese Immobilien erhöhen. Hierdurch steigen die Betriebskosten für den Mieter, was älteren Wohnraum unattraktiver machen könnte. 


Unsere Einschätzung

Mit der Neuregelung der Grundsteuer tun die Ländern ihren Mietern keinen Gefallen, da sich die Wohnkosten zusätzlich erhöhen. Es zeigt wieder einmal das Dilemma, in dem die Politik steckt: Zum einen möchte man mehr Steuereinnahmen, zum anderen will man aber die Mieten gering halten. Private Vermieter müssen sich davor in Acht nehmen, dass sie nicht Träger der neuen Steuer werden, wie es z.B. die Grünen fordern. 


Eine detaillierte Übersicht zu den Grundsteuermodellen findet ihr hier beim vollständigen Artikel (Haufe)


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