Denkmalgeschützte Gebäude am Obermarkt in Freiberg.

Denkmalschutz kann Mangel darstellen

Lesezeit in Minuten: 

Ihr habt eine Immobilie, die unter Denkmalschutz steht oder plant, eine zu kaufen?

Ein neues BGH-Urteil besagt, dass jegliche Art von Denkmalschutz offengelegt werden muss, sonst macht sich der Verkäufer gegebenenfalls schadenersatzpflichtig.

Alle Details lest ihr hier.

Denkmalgeschützte Gebäude am Obermarkt in Freiberg.

Das ist der Fall

Der Beklagte als Testamentsvollstrecker verkaufte ein mit einem Wohnhaus bebautes Grundstück unter Ausschluss der Haftung für Sachmängel. Dieser Ausschluss besagt, dass es an der Immobilie keine Mängel außer derer, die bekannt sind, gibt. 

Im Vertrag stand folgende Klausel zum Denkmalschutz:


„Der Verkäufer weist den Käufer darauf hin, dass das Objekt seiner Kenntnis nach nicht auf der Denkmalschutzliste verzeichnet ist, es jedoch aus Sicht des Denkmalpflegers erhaltenswerte Bauelemente gibt.“


In Wirklichkeit war dem Verkäufer allerdings schon seit 3 Jahren bekannt, dass das Haus unter denkmalschutzrechtlicher Beobachtung stand. 

Als der Käufer dann eine bauliche Veränderung durchführen wollte, wurde das Gebäude auf die Denkmalschutzliste aufgenommen, wodurch sich die Umbaumöglichkeiten stark eingeschränkten. Den daraus resultierenden Schaden wollte der Käufer beim Verkäufer geltend machen.


Das ist das Urteil

Der BGH gab dem Käufer recht:


“Die Denkmaleigenschaft des Kaufobjekts kann einen Sachmangel begründen. Ein Kaufgegenstand muss sich für die gewöhnliche Verwendung eignen und eine Beschaffenheit aufweisen, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann. 

Der Käufer einer Immobilie darf grundsätzlich davon ausgehen, dass das Kaufobjekt nicht unter Denkmalschutz steht, weil Denkmalschutz die Ausnahme von der Regel ist.”


Das bedeutet es für die Praxis

Wenn ihr eine Immobilie verkauft, die in irgendeiner Weise unter Beobachtung der Denkmalbehörde steht, dann erzählt dem Käufer über euren genauen Kenntnisstand und haltet schriftlich fest, dass ihr das getan habt. Hierdurch sichert ihr euch gegen Schadenersatzansprüche ab.

Als Käufer solltet ihr den Verkäufer genau fragen, ob irgendeine Verbindung der Immobilie zum Denkmalamt besteht, um zukünftige Rechtsstreitigkeiten zu verhindern. Gebäude unter Denkmalschutz sind hier simpel zu erkennen, aber wie ihr am obigen Fall seht kann der Denkmalschutz auch erst ergehen, wenn ihr an einem Haus, das beobachtet wird konkrete Maßnahmen plant. 


Quelle: Juris 


Bevor du gehst...

Ähnliche bei der immocation-Community beliebte Artikel 

BFH-Urteil: Steuerminderung beim Immobilienverkauf ist nicht missbräuchlich

Die Immobilie kurz vor dem Verkauf den Kindern schenken und dadurch steuern sparen ist nicht missbräuchlich, urteilte der BFH.

6. September, 2021
BFH-Urteil: Steuerminderung beim Immobilienverkauf ist nicht missbräuchlich

Weitere Informationen zu Immobilien

Melde dich für den immocation Newsletter an und erfahre alles, was ein privater Immobilieninvestor wissen muss.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>